Biodynamische Osteoapathie nach Rollin Becker und Robert Fulford – Sein gegenüber Tun / Mülheim

Fachdozent: Michael Illouz D.O. (F)

Wir freuen uns sehr, dass Michael Illouz D.O. (F) nach seinem erfolgreichen ersten Teil mit diesem Kurs in der Thematik der Biodynamik nun weiter geht.

Datum: 01.10. – 03.10.2027
Ort: Katholische Akademie „Die Wolfsburg“ Mülheim

Kosten: 650,00€

Kursbelegung:

SEMINARZEITEN
Freitag         9:00 – 18/18:30 Uhr
Samstag      9:00 – 18/18:30 Uhr
Sonntag       9:00 – ca.14 Uhr

Bei allen Kursen ist das Mittagessen sowie Getränke und Obst/Kuchen mit inbegriffen.

Michael Illouz D.O. (F)

Biodynamische Osteopathie nach Rollin Becker und Robert Fulford – Sein gegenüber Tun

Wir freuen uns sehr, dass Michael Illouz D.O. (F) nach seinem erfolgreichen ersten Teil mit diesem Kurs in der Thematik der Biodynamik nun weiter geht.

In der biodynamischen Osteopathie richtet der Therapeut seine Aufmerksamkeit in erster Linie auf seinen eigenen Zustand der Präsenz – eine ganzheitliche, tiefe und stabile Präsenz. Diese Qualität des Seins bildet die Grundlage der therapeutischen Arbeit.
Sie beruht auf der Entwicklung einer inneren Neutralität, die es dem Therapeuten ermöglicht, sich mit den subtilen Rhythmen des Patienten zu synchronisieren, ohne persönliche Interferenzen.

Vor jeder Sitzung lernt der Therapeut, sein Nervensystem bewusst vorzubereiten: durch gezielte Beruhigung, bewusste Atmung sowie Erdung und Verwurzelung. Diese Vorbereitung fördert eine innere Ausrichtung, echte Verfügbarkeit und eine tiefe Aufmerksamkeit für den gegenwärtigen Moment.

Das innere Empfinden des Therapeuten wird dabei zu einer Informations- und Orientierungsquelle im therapeutischen Prozess. Dieses feine Wahrnehmen des eigenen Zustandes ermöglicht es, dem lebendigen Prozess des Patienten zuzuhören – nicht in einer Haltung des Handelns oder Korrigierens, sondern aus der Position eines neutralen, präsenten Beobachters.
In diesem Zustand kann der Therapeut in Resonanz mit der Lebenskraft des Patienten treten und die Selbstregulationsprozesse begleiten, ohne etwas aufzuzwingen.

Dieser Ansatz erfordert eine klare Intention, ein erweitertes Selbstbewusstsein sowie die Fähigkeit, sich von eigenen Spannungen, Erwartungen oder Projektionen zu lösen. Der Therapeut wird so zu einem bewussten Dreh- und Angelpunkt, von dem aus die Gewebeinformationen und dynamischen Prozesse auf natürliche Weise auftauchen können.

Es ist diese Vorrangstellung des Seins gegenüber dem Tun, die die biodynamische Berührung minimal, subtil und zugleich tief transformierend macht.

Arbeitsschwerpunkte der Stufe 2

Wir werden insbesondere vertiefen:

  • Die Neutralität des Therapeuten
    Entwicklung einer stabilen, stillen und nicht eingreifenden Präsenz.
  • Der Begegnungspunkt
    Der Ort, an dem sich die Organisation des Therapeuten und die des Patienten auf stimmige Weise begegnen.
  • Die Tonalität
    Die globale Schwingungsqualität des Patienten und die Feinabstimmung der therapeutischen Präsenz.
  • Reizende „Stachel“ (irritative Spines)
    Wahrnehmen und Verstehen dessen, was die Organisation des Patienten stört – sowohl auf Gewebeebene als auch in der Wahrnehmung.
  • Entitäten
    Biodynamischer Zugang zu bestimmten nicht integrierten Präsenzen oder Organisationsformen, in einem ethischen, neutralen und sicheren Rahmen.

    Allgemeines Ziel:
    Die therapeutische Präsenz verfeinern, eine umfassende räumliche Wahrnehmung entwickeln und die Qualität der Beziehung zum Patienten vertiefen.

    Tag 1 — Haltung des Praktikers: Stabilität und Verfügbarkeit

    Ziel: Die Haltung des Praktikers zu einer stabilen Wahrnehmungsbasis entwickeln.

    Nach Becker hängt die osteopathische Wahrnehmung von einem Zustand körperlicher und mentaler Neutralität des Praktikers ab (Becker, 1997).

    Vormittag

    1. Gravitative Organisation des Praktikers

    • Beziehung zum Boden
    • Vertikalachse
    • Gleichgewicht zwischen Tonus und Entspannung

    2. Zentrum der Wahrnehmung

    • Rolle des Beckens
    • Rolle der Atmung
    • Stabilität des Zentrums

    3. Haltung und Wahrnehmung

    • Einfluss muskulärer Spannung
    • Zusammenhang zwischen Haltung und Qualität des Kontakts

    Übungen

    • Erforschung der Haltung im Sitzen und Stehen
    • gravitative Ausrichtung
    • Atmung und Stabilität

    Nachmittag

    4. Neutralität des Praktikers

    Neutralität bezeichnet einen Zustand, in dem der Praktiker keine korrigierende Absicht projiziert und für physiologische Prozesse verfügbar bleibt (Becker, 1997).

    Praktische Arbeit:

    • minimaler Kontakt
    • Präsenz ohne intentionale Intervention
    • Beobachtung von Veränderungen

    5. Haltung am Behandlungstisch

    • Position des Praktikers
    • Ökonomie der Bewegung
    • Wahrnehmungsstabilität

    Tag 2 — Vertiefte therapeutische Beziehung

    Ziel

    Die Qualität der Beziehung vertiefen, die dem System des Patienten Selbstregulation ermöglicht.

    Becker beschreibt die therapeutische Beziehung als eine aufmerksame und respektvolle Präsenz gegenüber dem physiologischen Prozess (Becker, 1997).


    Vormittag

    1. Ebenen der Beziehung

    • physische Beziehung
    • wahrnehmungsbezogene Beziehung
    • globale Beziehung

    2. Aufmerksamkeit und Wahrnehmung

    Unterschied zwischen:

    • Behandlungsabsicht
    • wahrnehmender Aufmerksamkeit

    Diese Unterscheidung wird in der biodynamischen Lehre häufig hervorgehoben (Jealous, 2004).

    Übungen

    • stabile Aufmerksamkeit entwickeln
    • wahrnehmen ohne einzugreifen
    • stille Beziehung

    Nachmittag

    3. Anpassung der Beziehung

    • Nähe / Distanz
    • Intensität der Präsenz
    • Anpassung an den Patienten

    4. Beziehung und Sicherheit

    Eine Umgebung schaffen, in der sich das System des Patienten ausdrücken kann.


    Tag 3 — Der Raum

    Ziel

    Die Wahrnehmung von Raum und globalem Feld entwickeln.

    Jealous beschreibt die Bedeutung, den Körper des Patienten in einem größeren globalen Feld wahrzunehmen, das über den unmittelbaren Kontaktbereich hinausgeht (Jealous, 2004).


    Vormittag

    1. Der körperliche Raum

    • innere Wahrnehmung
    • Wahrnehmung des Volumens

    2. Der relationale Raum

    • Raum zwischen Praktiker und Patient
    • Einfluss der Präsenz

    Übungen

    • Wahrnehmung des körperlichen Feldes
    • Kontakt und Nicht-Kontakt

    Nachmittag

    3. Der therapeutische Raum

    Integration von:

    • Haltung
    • Beziehung
    • räumlicher Wahrnehmung

    4. Supervidierte vollständige Sitzung

    Jeder Teilnehmer führt eine vollständige Behandlungssitzung durch:

    • Aufbau der Haltung
    • Herstellung der Beziehung
    • Wahrnehmung des Raumes

    Supervision und Analyse.


    Erwartete Ergebnisse

    Am Ende des Seminars sollte der Praktiker:

    • seine therapeutische Haltung stabilisieren
    • die Qualität seiner Präsenz verbessern
    • die Wahrnehmung des globalen Feldes entwickeln
    • die therapeutische Beziehung vertiefen

    Pädagogische Struktur für erfahrene Teilnehmer

    80 % praktische Arbeit
    20 % klinische Diskussion